Donnerstag, 12. Februar 2015

Mythos Zigarette

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Mythos Zigarette

Rauchen ist out – schon seit Jahren. Der Konsum von Zigaretten, Zigarren und Zigarillos schadet der Gesundheit, beschleunigt die Hautalterung, verfärbt die Zähne, belästigt alle in der Umgebung mit den Negativauswirkungen des Passivrauchens … Die Liste könnte endlos weiter gehen. Sich mit Glimmstängel in der Hand sehen zu lassen, ist längst nicht mehr angesagt. Unter visuellen Aspekten ist das jedoch schade, denn mit dem allmählichen Verschwinden der Tabakwaren stirbt auch eine ganz besondere Art der Modefotografie aus: die Zigaretten-Fotos. In diese Kategorie fällt eine Horst P. Horst-Porträtaufnahme der jungen Coco Chanel - ausgestreckt auf einer Chaiselongue mit Zigarettenstummel in der Hand. Ebenso wie ein Irving-Penn-Foto aus dem Jahr 1952, das Supermodel Lisa Fonssagrives im Profil zeigt - mit Dior-Hut, Martini und Zigarette.


Tabakwaren als Requisiten setzte auch Jean-Loup Sieff 1964 geschickt in Szene für ein Harper’s Bazaar-Modefoto, auf dem ein hellhäutiges weibliches Model ihren Zigarillo an der Zigarette eines dunkelhäutigen Männer-Models anzündet. In alten Hollywoodfilmen tauchen immer wieder glamouröse Raucher auf: Rita Hayworth als Gilda in schwarzer Satin-Robe mit Zigarette in der Hand, Audrey Hepburn als Holly Golightly mit überlanger Zigarettenspitze, Bogart und Bacall, die sich gegenseitig Feuer geben, … So gut die Gründe sein mögen, mit dem Rauchen aufzuhören, zumindest als Fotorequisiten sollten Zigaretten wieder ein wenig mehr in Mode kommen: Denn sie verleihen den Fotos Glamour, Sex-Appeal und eine Portion Verruchtheit.

Text: Vera Hohleiter
Fotografie: Michael J. Rüttger

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