Mittwoch, 5. August 2015

Paradiesvögel! Julian F.M. Stoeckel im FASHIONERS-Interview

http://fashioners.de/pdf/fashioners_de_S55_29_07_15.pdf


Paradiesvögel! Julian F.M. Stoeckel im FASHIONERS-Interview

Julian – Du zählst sicher zu den haltlos Kreativen am Sternchen-Himmel. Du liebst Partys, Promis und alles Schräge. Du bist ein Netzwerker und ein Schöngeist. Wie kam es zu Deiner ungewöhnlichen Laufbahn?

Erstmal muss ich sagen, dass mir noch nie jemand eine so schön formulierte Frage gestellt hat! Ich wollte schon als Kind ein Star werden - mit 8 Jahren habe ich immer Sonnenbrillen getragen und bin in den Autos meiner Freunde (am liebsten mit getönten Scheiben) gefahren, habe wie die Queen aus dem Fenster gewunken und fand das großartig. Irgendwann kam dann die Realität und ich musste zur Schule. Anschließend habe ich in einer Schauspiel-, einer Casting- und einer Modelagentur gearbeitet. Ich wollte wissen, wie die Szene im Kern funktioniert. Mit 16 wurde ich dann durch einen familiären Zufall von der Hamburger Schauspielerin Witta Pohl entdeckt. Ich ging fortan auf möglichst viele High Society Events. Mein Credo: „Erst musst du berühmt werden, dann hast du Erfolg!“ Also ging ich auf jede Party, wo der Rote Teppich nicht bei drei aufgerollt wurde. 2010 realisierte ich mit gerade mal 22 Jahren meine erste Fashion Show (Fashion Night Cocktail by Julian F.M. Stoeckel). Eine wie ich finde beachtliche Leistung, weil sich in diesem Alter manch anderer wund-studiert. Nach weiteren Fashion Shows präsentierte ich 2012 meine erste eigene Kollektion (JFMS by Julian F.M. Stoeckel) und im Mai 2013 wurde ich gefragt, ob ich ins Dschungelcamp gehen möchte. Natürlich wollte ich nicht, lies mich dann aber überreden und danach ging die Karriere erst so richtig los. Gerade habe ich „Promi Shopping Queen“ gedreht, werde beim Lifeball 2015 in der Style-Jury sitzen und auch die neue Miss Austria kühren. Es macht Spaß - ich bin super happy!

Wie würdest Du Dich selbst modisch einordnen? Was ist der Stoeckel-Style?

Das Berliner Magazine TIP hat mal über mich geschrieben: „Der Stil von Julian F.M. Stoeckel ist eine Mischung aus Rummelprinzessin und Call-Boy Chic!“ - ich fand das königlich und sehr gut getroffen. Ich glaube, dass ich einen verrückten Mode-Geschmack habe, der etwas Einzigartiges hat. Ich kenne zumindest keinen Anderen in meinem Alter (natürlich spreche ich nicht über mein Alter!) der einen ähnlich geprägten Stil hat. Ich kombiniere gerne ganz teuer mit H&M. Ich liebe Mischung, ich liebe Farbmix, Mustermix und Markenmix. Ich kann nichts damit anfangen, wenn Leute von Kopf bis Fuß mit Louis Vuitton herumlaufen. Ich will es verrückt und eigen haben. Ich finde jeder sollte einen eigenen Stil kreieren und nicht immer allen Trends hinterherlaufen. Wen ich in letzter Zeit modisch beobachte, ist Kim Kardischian und ich muss gestehen: Sie wird immer cooler!

Du erwähntest, dass die „modischen Paradiesvögel“ fast ausgestorben sind. Die wirklich schrägen Typen, die auf kreativen Partys nicht fehlen dürfen. Was sind das für Leute und warum werden sie weniger?






Die Menschen haben gemerkt, dass man als Paradiesvogel immer aus der Reihe tanzt und damit immer Gesprächsthema ist. Viele Leute können aber genau das nicht ertragen. Es kostet sehr viel Kraft und sehr viel Mut, anders zu sein. Alle reden, tratschen und lästern über dich. Aber wenn man es genau betrachtet, dann ist genau das „das Kapital“. Persönlichkeiten wie Arndt von Bohlen und Halbach (Krupp-Clan), Rudolf Moshammer, Ludwig XII, Harald Glööckler, Mozart oder Olivia Jones sind Menschen, die man nicht vergessen wird, weil sie anders waren, weil ihre Zeit sie vielleicht auch nicht immer verstanden hat. Aber ich fühle mich witziger weise in der richtigen Zeit. Ich wäre auch gerne Schauspielikone im Jetset der 60er Jahre gewesen, aber das kann man sich ja nicht aussuchen. Dafür kann ich heute so sein, wie ich will und das ist ein sehr großes Glück und dafür bin ich wahnsinnig dankbar!

Was bedeutet für Dich Kreativität? Was ist Mode in Deinen Augen?

Mode ist wie eine Sprache. Sie diktiert dem Auge und den Gedanken. Wenn ein Mensch durch die Türe tritt und noch kein Wort gesprochen hat spricht die äußere Wahrnehmung. Es sprechen die Augen, die Lippen, die Haare und dann die Mode. Was sagt das aus - über einen Menschen? Was stellt er da? Sagt eine Rolex, dass man Millionär ist? Oder sagt ein bunter Paradiesvogel, dass er nicht normal ist? Ich glaube nicht. Menschen sind innerlich oft ganz anders als man sie von außen sieht. Deswegen kann man über die Mode auch Illusionen schaffen und ein Image kreieren. So wie ich es gemacht habe.

Was denkst Du über aktuelle Trends? Sind wir heute kreativ? 

Ich finde, dass es leider immer weniger kreative Menschen gibt. Ich habe das Gefühl, dass viele Leute sich nur von ihren Pflichten und Aufgaben leiten lassen. Aber das Leben ist nicht so lang, dass man genug Zeit hätte, sein Leben mit „Blödsinn“ zu verbringen. Ich bin für mehr Kreativität im Alltag. Ich bin für guten Wein, gutes Essen, gute Freunde und großartige Momente. Neben Gesundheit sind Menschen, die einen wirklich schätzen und die man selbst wirklich schätzt, für mich das Wichtigste!

Hast Du ein Ziel im Leben, das Du auf jeden Fall erreichen willst?

Ich habe ein Ziel. Ich würde gerne irgendwann mal ein großes Haus haben. Mit meiner Mama zusammen, vielleicht einem Partner und meinen liebsten Freunden. Einem Pferd, einem alten Hund, einen Hasen und einen Papagei. Das wäre sehr lustig. Ein Mehr-Generationenhaus mit vielen kreativen und tollen Momenten!

Sicher hast Du auch ein Motto, eine Lebensweisheit – verrate sie uns! 

„Regel und Vorschriften sind Dinge, die mir nicht zusagen“ (Romy Schneider)

Tim von Lindenau im Gespräch mit Julian F.M. Stoeckel
Fotografien: Alexander Klotz
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